„Alexa, eröffne das Junior Science Café!“: Smart Home – Das Haus in Deiner Hand?

Es ist fast schon alltäglich, Sätze mit „Alexa,…“, „Siri,…“ oder „Ok, Google,…“ zu beginnen. Aber was steckt dahinter und wohin führt uns das? Diesen und vielen anderen Fragen wollten die Schülerinnen und Schüler der Junior Science Café-AG am Abend des 8. Mai 2019 in der Mensa des Gutenberg-Gymnasiums auf den Grund gehen.

Für fachkundige Unterstützung sorgten die drei eingeladenen Experten: Prof. Dr. André Schekelmann von der Hochschule Niederrhein (Mönchengladbach) forscht im Bereich der Wirtschaftsinformatik insbesondere in der Softwareentwicklung. Prof. Dr. Roger Häußling reiste von der RWTH Aachen an, wo er unter anderem in den Bereichen der Mensch-Maschine-Interaktion und der Mensch-Maschine-Schnittstellen forscht. Fabian J. Geßner untersucht an der TH Köln den Nutzen und die Usability (Benutzerfreundlichkeit) von Smart-Home-Systemen.

Moderiert wurde das Café stellvertretend für die AG von Noah (8a) und Younes (9b), die mit der Radiowerbung, in der Alexa die Kaffeemaschine steuert und unzählige Espressi produziert, direkt kritisch in das Thema „Smart Home“ einstiegen. Kann so etwas wirklich passieren?

Die zunächst einmal erschreckende Nachricht lautete „Ja“. Aber zur Beruhigung aller sei es ausgeschlossen, dass das Smart Home die Kontrolle übernimmt, aber ein Mensch könnte von außen die Kontrolle übernehmen. Daher wird ständig an der Verbesserung von Sicherheitssystemen gearbeitet.

Im Rahmen des Cafés wurde deutlich, dass die Experten der verschiedenen Hochschulen in ganz anderen Dimensionen forschen als wir uns heute damit beschäftigen. Während es uns heute darum geht, mithilfe des Smart Homes Wege zu vermeiden, z. B. das Licht ein- und auszuschalten oder Musik über Sprache zu steuern, wird an den Hochschulen unter anderem daran geforscht, inwiefern eine künstliche Intelligenz – die das Smart Home ja ist – Krankheiten frühzeitig erkennen kann (z. B. könnte das Smartphone Veränderungen im Gehrhythmus feststellen und so eine Parkinsonerkrankung frühzeitig erkennen). Für Demenzerkrankte wird an einer „Pflege-Puppe“ gearbeitet, die Fragen des Patienten beantwortet und ihn beruhigt. Dazu gehört auch, dass die Puppe gelernt hat, die Gefühle eines Menschen zu deuten und ihre Sprache und die Tonmelodie daraufhin anzupassen. Eine KI (künstliche Intelligenz) kann aber immer nur Hilfestellung sein, ersetzen kann sie einen Menschen nicht.

Die Besucher des Junior Science Cafés blieben kritisch: Kann uns eine KI auch überrunden und uns so gefährlich werden? Kann ich durch eine KI ausspioniert werden? Die Antwort auf all diese Fragen sahen die Experten in der „Digital Literacy“ begründet. „Digital Literacy“ oder vereinfacht „digitale Bildung“ bezeichnet den kritischen und geschulten Umgang eines jeden Einzelnen mit digitalen Medien und ihren Inhalten. Für den einfachen Nutzer bedeutet das, dass er sich nicht völlig ahnungslos eine KI ins Haus holen, sondern sich zuvor über Risiken und Vorteile informieren sollte. Die Hersteller hingegen sind in der Pflicht, dem Nutzer die notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen. Die Forscher und Entwickler tragen vermutlich die größte Verantwortung. Sie müssen entscheiden, wie weit ihre Forschung gehen darf, ohne gegen Normen und Werte der heutigen Gesellschaft zu verstoßen. Ihnen muss die Gratwanderung zwischen moralischen Grenzen der Wissenschaft und Innovation,  gelingen. Sie müssen abwägen zwischen Potenzialen und Risiken. Allerdings werden die Forscher hierbei nicht allein gelassen, da es in Deutschland eine kontrollierende Ethikkommission gibt.

Die drei Experten verwiesen darauf, dass wir in einer beschleunigten Gesellschaft leben, so dass zunehmend jeder Einzelne gefragt ist, wenn es um einen verantwortungsvollen Umgang mit der KI geht. Wir laufen Gefahr uns abhängig zu machen. Und, ja, das mussten die Experten zugeben, wenn alles ausfällt – z. B. wenn die Server abstürzen – haben wir ein Problem.

Abschließend bat das Publikum die Experten um eine Empfehlung in Bezug auf die Anschaffung eines Smart Homes. Die Experten urteilten nicht pauschal. Wenn jemand Interesse hat, sich damit auseinanderzusetzen, dann sei es eine gute Sache. Es kann Wohnkomfort und Sicherheit im Haus erhöhen. Natürlich verbraucht ein Smart Home zusätzlich Energie, das müsse man im Blick haben. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob ein Smart Home seine Bedürfnisse unterstützen kann und ob er gewillt ist, sich mit dieser Technik bewusst zu beschäftigen.

Das, was wir heute als KI im Alltag nutzen, sind erst die Anfänge. Die eigentliche KI-Forschung strebt weit mehr an, z. B. im Bereich der Medizin oder der Pflege. Dass Alexa unzählige Tassen Kaffee produzieren könnte, ist also nicht das eigentliche Problem. Für uns geht es heute darum, einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien und damit auch mit der künstlichen Intelligenz zu pflegen. Blind verlassen dürfen wir uns nicht auf Alexa und Co., das lehren sowohl Schulen als auch Hochschulen und darauf verwiesen auch die drei Experten des Abends.

Für das Gelingen des Abends hatte die Junior Science Café-AG, bestehend aus zehn Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 und 9 unter der Leitung von Frau Meinecke, liebevoll gesorgt. Ein leckeres Buffet sorgte für das leibliche Wohl und die Auswahl der Experten ermöglichte einen spannenden und kurzweiligen Einblick in die Chancen und Grenzen eines Smart Homes.

Dank des wiederholten Einsatzes der Junior Science AG am GuGy darf sich dieses nun „Junior Science Café Schule 2019“ nennen. Wir gratulieren!

Annette Gregor