Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde – ein inklusives Projekt mit Schülern und Schülerinnen der Schule Zum Römerturm und dem Gutenberg-Gymnasium

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“- Die Echtheit dieses bekannten Spruchs können die Schüler, die an dem gleichnamigen Projekt teilgenommen haben, bestätigen: Wir vom GuGy lernten gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Schule Zum Römerturm in Thorr viel über Pferde und das Voltigieren. Unser Können durften wir dann auf dem Rücken der Pferde des Reiterhofs der Gold-Kraemer-Stiftung unter Beweis stellen. Das Wichtigste, das wir innerhalb der vier Projekttage gelernt haben, waren allerdings der Respekt und die Akzeptanz gegenüber Menschen, die ihren Alltag mit gewissen Einschränkungen beschreiten. Denn auch wenn diese Menschen auf den ersten Blick „anders“ wirken, sind sie doch genauso ein Mensch, ein Schüler oder eine Schülerin wie wir, mit denen man gemeinsam Spaß haben, lernen und zahlreiche wertvolle Erfahrungen machen kann!

Als wir nach einer kurzen Vorstellrunde mit unseren Lehrerinnen, Frau Rumsmüller, Frau van Bonn und Frau Jeckel, zu der Schule Zum Römerturm gegangen sind, wusste noch keiner von uns, was uns dort erwartete. Natürlich wussten wir, dass wir die nächsten paar Tage gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern verbringen, die etwas „anders“ sind als wir (Dies dachten die Meisten von uns zumindest.), aber nicht, wie die erste Begegnung wird.

Zuerst gab es ein von den Schülern der Römerturm-Schule vorbereitetes Frühstück, bei dem wir uns alle kennenlernten. Schnell stellte sich heraus, dass wir alle super miteinander klarkommen. Bei einem Rundgang lernten wir die Besonderheiten der Schule Zum Römerturm kennen, bei der es sich um eine Förderschule mit dem Fokus auf die geistige Entwicklung handelt: Unter anderem gibt es ein kleines Schwimmbad, mehrere Werkstätten (z.B. eine Fahrradwerkstatt), einen „Inselraum“, in dem es ein großes Bällebad gibt, und einen Snoezelraum, in dem die Schülerinnen und Schüler sich erholen können. (Dort gibt es u.a. ein Wasserbett.) Nach dem Rundgang machten wir in der Turnhalle einige Gleichgewichtsübungen und lernten einige Grundlagen zum Thema Pferde und Voltigieren, und dann war der erste Tag auch schon vorbei.

Am zweiten Tag fuhren wir dann gemeinsam zum Reiterhof der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen, in dem wir dann endlich auf die Pferde trafen. Zuerst aber hieß es für uns: Die Pferdeboxen ausmisten, schließlich kommt die Arbeit vor dem Vergnügen, wobei wir selbst dabei Spaß hatten, gemeinsam war das Ausmisten schnell geschafft. Danach konnten wir das Voltigieren und das Auf-und Absteigen auf Holzpferden üben, um uns auf den nächsten Tag vorzubereiten, an dem wir endlich auf den Rücken der Pferde steigen konnten. Zuletzt durften wir die Pferde am Strick durch die Reithalle führen, hier haben einige von uns auch ihre Berührungsängste vor den Tieren überwunden.

Am Mittwoch, dem letzten Tag des Projekts, war es dann endlich so weit: Nachdem wir noch mehr über Pferde gelernt hatten und unsere zwei Pferde gestriegelt hatten, war der von allen ersehnte Moment gekommen: Wir durften endlich auf dem Rücken eines echten Pferdes steigen und unsere vorher geübten Voltigierfähigkeiten zeigen.

Das Projekt trägt seinen Namen zu Recht: Wir alle haben unsere ersten Berührungsängste, die wir am Anfang des Projektes hatten, überwunden und gelernt, dass wir in der Lage sind, Dinge zu tun, die wir uns vorher gar nicht (zu-)trauten. Wir haben gelernt, dass Menschen mit Beeinträchtigungen genauso Menschen sind wie wir, und dass diese Menschen genauso viel Respekt und Akzeptanz verdienen wie wir selber, denn wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.  

Text: Lea Wagner, Q1

 

RESPEKT war das alles beherrschende Thema der diesjährigen Projektwoche am Gutenberg-Gymnasium vom 8.-11.Juli 2019. Unter diesem Motto beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichste Weise kreativ mit sehr verschiedenen Themenbereichen.

Beim „Pferdeprojekt“, wie unser Vorhaben schnell umgangssprachlich genannt wurde, ging es darum, dass Schülerinnen und Schüler einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung und Gymnasiasten sich gemeinsam auf ein kleines Abenteuer einließen, indem sie im Reittherapiezentrum der Gold-Kraemer-Stiftung nicht nur erste Kontakte mit den dort lebenden Pferden aufnahmen, sondern auch noch innerhalb weniger Tage in Ansätzen lernen sollten, wie man voltigiert.

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Projekt war, dass man keine besonderen Reit- oder Voltigiererfahrungen besitzen durfte. Scheu vor Pferden war hingegen ausdrücklich als Hinderungsgrund zur Teilnahme ausgeschlossen.

So fand sich eine recht bunte Schülertruppe zusammen, begleitet von Lea aus der Q1 und Lehrerinnen von beiden Schulen (E.Zwilling, K.Rumsmüller, A.v.Bonn, G.Jeckel). Zum Einstieg gab es eine Vielzahl von „Trockenübungen“ in der sehr gut ausgestatteten Schule zum Römerturm: Auf eine lustige Kennenlernrunde und ein köstliches Frühstück folgten schnell erste Gleichgewichtsübungen in der Turnhalle als Grundlage für das spätere Voltigieren. Außerdem erfuhren die Kinder Grundlegendes über Fellfarben, Futter und wichtige Werkzeuge zur Pferdepflege. Eine besondere Rolle spielten auch grundlegende Verhaltensregeln im sozialen Umgang mit den Tieren.

An allen Tagen führten die Praktikantinnen Julia Foegen und Christina Braun das Projekt mit den Jugendlichen der beiden Schulen durch. Mit großem Einfühlungsvermögen begleiteten die beiden Lehramtsstudentinnen (Sonderpädagogischer Schwerpunkt) die Gruppe durch die verschiedenen Stationen, bereiteten vor, leiteten an, motivierten und lobten. Am Dienstag wurden sie von Barbara Karkowsky unterstützt. Die drei jungen Frauen arbeiten viel mit Pferden und eignen sich gerade die entsprechenden Zusatzqualifikationen an, um auch in der Zukunft Pferde und Schüler kreativ therapeutisch zueinander finden zu lassen.

Die beiden nächsten Tage verbrachte die Schülergruppe gemeinsam im Pferdesport- und Reittherapiezentrum der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen. Was sich am ersten Tag in der Schule zum Römerturm schon angebahnt hatte, zeigte sich nun immer deutlicher: Aus sehr verschiedenen Kindern und Jugendlichen war eine Gruppe geworden, die gemeinsam die verschiedenen Aufgaben von Stallausmisten bis Pferdestriegeln übernahm. Empathie und Verständnis waren schnell selbstverständlich im täglichen Miteinander, und Respekt musste nicht thematisiert werden, sondern war die Grundlage des Umgangs. Respektvoll musste auch mit den sensiblen Tieren umgegangen werden, die dann zeigten, welche wohltuende Wirkung sie auf Menschen haben können.

Wer das Pferdesport- und Reittherapiezentrum zum ersten Mal sieht, ist einfach nur beeindruckt: Seit 2014 wird hier die Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung an sportlichen und therapeutischen Angeboten mit dem Pferd ermöglicht. Mit großem Engagement arbeiten qualifizierte Fachkräfte auf einem hervorragend ausgestatteten Gelände mit zwanzig Schul-, Sport- und Therapiepferden unterschiedlicher Rassen, von denen eins schöner ist als das andere.

Hier durften unsere Schülerinnen und Schüler, angeleitet von den Reitpädagoginnen Mareile Günther und Desirée Frerich, erste Voltigiererfahrungen sammeln, erst auf einem beweglichen (und ganz schön wilden) Übungsholzpferd, dann in der Reithalle auf echten (weniger wilden, aber sehr, sehr großen) Pferden. Die Freude und der Stolz, die den Kindern ins Gesicht geschrieben stehen, sprechen ihre eigene Sprache und zauberten jedem, der sie beobachten durfte, ein Lächeln ins Gesicht.

Dafür, dass uns die Gold-Kraemer-Stiftung ausgesprochen großzügig bei der Umsetzung unseres Projekts unterstützte, können wir uns nur bedanken. Besonderer Dank gilt auch unserem Sponsor, dem Lions Club, der sich einmal mehr für Kinder engagierte und so das Projekt, das die Kinder der beiden Schulen zu einer Gruppe werden ließ, erst ermöglichte.

Am letzten Tag der Projektwoche besuchten die Schülerinnen und Schüler der Römerturm-Schule das GuGy und begutachteten die Ergebnisse der anderen Projektgruppen. Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm machte allen viel Spaß und schließlich verabschiedete man sich mit vielen Umarmungen und Beteuerungen, dass das gemeinsame Arbeiten unheimlich viel Spaß gemacht hatte.

Wer dies noch anzweifelt, möge sich die Fotopräsentation zum „Pferdeprojekt“ auf der Homepage des GuGy anschauen! Die überzeugt jeden!

Text und Foto: G.Jeckel