Dina aus der 9a empfiehlt: „Tote Mädchen lügen nicht“ – Ein Roman von Jay Asher

Rezension:  In dem Jugendroman „Tote Mädchen lügen nicht“ des amerikanischen Schriftstellers Jay Asher, der im Jahre 2009 in deutscher Übersetzung erschien, geht es um ein Mädchen namens Hannah Baker, das sich mit Hilfe einer Überdosis Tabletten das Leben nahm, kurz zuvor auf sieben Audiokassetten mit dreizehn bespielten Seiten die Schuldigen für ihren Selbstmord dokumentiert und dafür sorgt, dass die Kassetten an diese Personen weitergereicht werden.
In dem Roman wird aus Sicht von Clay Jenson geschrieben, der der neunte Grund für Hannahs Suizid ist. Man kann miterleben, wie er sich alle Kassetten anhört und zudem gibt es auch immer wieder auftauchende Sprünge zwischen dem Erzählen von Hannah und dem, was Clay erlebt, fühlt und denkt.

In diesem Roman wird ein sehr heikles Thema, welches in unserer Gesellschaft nicht häufig thematisiert wird, angesprochen, weshalb man sich auch die berechtigte Frage stellt, ob es in der neunten Klasse eines Gymnasiums gelesen werden sollte. Es heißt aus Sicht einiger Experten, dass der Inhalt des Romans den Gedanken an Suizid verstärken kann und auch nicht angemessen für junge Schüler ist.
Dem möchte ich auch in keiner Weise widersprechen, doch meinem Empfinden nach ist es sehr wichtig, dass man sich bereits in diesem Alter mit solch einer Thematik auseinandersetzt und den Ernst der Situation erkennen kann. Dieser Roman zeigt uns, dass Vorsicht geboten sein muss, denn man kann nie ahnen, was einfache, spaßig gemeinte Bemerkungen, Kommentare oder Sprüche mit einem machen können. Man kann zudem nie wissen, wie es den Personen wirklich geht und wie sie dabei empfinden.
Aus diesem Grund ist es immer sehr wichtig, vor dem Reden nachzudenken aber auch bei Vorahnungen sofort zu handeln. Heutzutage, vor allem bei Jugendlichen, werden Themen wie Depressionen und Suizidgedanken nicht ernst genommen oder gar ins Lächerliche gezogen. Das liegt aber häufig einfach daran, dass man Angst hat, sich mit so einem neuen  Thema zu beschäftigen.
Über etwas zu lachen ist natürlich immer einfacher als sich mit etwas auseinanderzusetzen und sich Gedanken zu machen. Vielleicht kann der Roman auch eine Hilfe für Betroffene sein, die von Selbstmordgedanken geplagt werden. So wird ihnen suggeriert, dass das Reden mit ihren Mitmenschen sehr wichtig und auch hilfreich ist, da niemand in eine Person und in ihre Gedankengänge hineinsehen kann. Da Depressionen oder solche Gedanken bereits in jungen Jahren auftreten können, finde ich es wichtig, sich frühzeitig damit zu befassen. Hierfür gibt die Schule meiner Meinung nach den idealen Ort her.

Mir persönlich hat der Roman sehr gut gefallen, nicht nur aufgrund der Thematik, sondern auch wegen des Sprachstils, der sehr an die Zielgruppe angepasst ist. Jay Asher hat es geschafft mich von der ersten Seite an zu fesseln und meine Neugierde zu wecken. Jede Kassette ist eine kleine und zugleich spannende Geschichte für sich, die sich auf eine geschickte Weise mit den anderen zusammenfügt.
So wird eine, sich bis zum Ende ziehende Spannung, erzeugt. Besonders gut haben mir die geschickt eingearbeiteten Erzählsprünge zwischen Hannah und Clay gefallen. Durch ihre Erzählweise ist eine Deutung ihrer Gefühle sehr gut möglich, aber auch die Handlung an sich wurde dadurch anschaulicher und leichter nachvollziehbar.

Dieser Roman regt den Leser zum Denken, wenn nicht gar zum Handeln an. Er zeigt, welche Auswirkungen Handlungen haben können, was sie in einem verursachen und warnt zugleich auch davor, dass man sich im Klaren sein sollte, wie schnell man seine Mitmenschen verletzen kann. Dieser Roman lehrt uns, mehr aufeinander zu zugehen, sich gegenseitig zu helfen und Rücksicht zu nehmen.
Das Einzige, was ich meinerseits zu kritisieren habe ist, dass viele, für das Verständnis wichtige Handlungen, nicht detailliert genug beschrieben wurden. Das liegt aber daran, dass ich auch die Serie geschaut habe und dort alles viel detaillierter dargestellt wurde. Mir persönlich gefällt die Serie deutlich besser, da darin der Fokus nicht nur auf einem Mädchen, das sich umgebracht hat und viele Fragen offen gelassen hat, sondern auch auf einer weiteren Person liegt. Diese Figur hat das Gleiche durchlebt, ohne das es im Umfeld aufgefallen ist, trotz erkennbarer Anzeichen. Außerdem hört sich Clay die Kassetten  über mehrere Tage verteilt an und wird auch mit den Blicken derer, die die Kassetten schon gehört haben, konfrontiert. Dies macht es nochmal zu einer anderen Situation für den Zuschauer.

Trotzallem ist ein Blick in diesen Jugendroman sehr empfehlenswert, auch wenn man die Serie schon geschaut hat.

Dina, 9a