„Ich doch nicht“ – Literaturkurs bekommt großes Lob für aktuelle Jugendthemen auf der Bühne

Vielseitigkeit wird in den Literaturkursen am Gutenberg-Gymnasium seit Jahren großgeschrieben.

An zwei Abenden zeigte nun der dritte Literaturkurs sein Können im Theaterkeller des Gutenberg-Gymnasiums. Literaturkurslehrerin Ute Drewe hatte sich mit den Schülern an aktuelle Themen herangewagt, die im Schulleben präsent sind: In ihrem ersten Stück spielte der Kurs ein Stück mit dem Titel „Sprachlos“: Bei einem Verkehrsunfall stirbt die 18-jährige Luisa (Dilan). Sechs ihrer Freunde bleiben zurück und hüllen sich in einer Klinik für psychosomatische Erkrankungen in Schweigen, um den Verlust zu verarbeiten. Jonas zeigt in seiner Rolle als Putzmann zunächst Verständnislosigkeit und den fehlenden Blick ins Innere der Jugendlichen, die nicht unter einem Trauma leiden, sondern seines Erachtens nur Aufmerksamkeit wollen. Anna und Nick zeigen in den Rollen der Eltern des Unfallopfers Maras die glaubwürdige Hilflosigkeit gegenüber ihrer Tochter und derer Situation. Doch dann bricht das Schweigen durch zwei der Jugendlichen, Ben (Jannis) und Mara (Esther) gebrochen, die es nicht mehr aushalten, im Stillen zu leiden. So wechselt das Bühnenbild von der Klinik zu einem selbstgebauten Kleinbus, welcher die Jugendlichen ans Mittelmeer bringen soll, wo die Gruppe der Jugendlichen darauf hofft, Luisas Wunsch, im Mittelmeer beerdigt zu werden, zu erfüllen. Zwei von ihnen, Fynn (Younes) und Ben (Jannis) zeigen authentisch ihr Leid auf der Bühne als Jungs, die beide in das verstorbene Mädchen verliebt waren; ihre Freundinnen Mara (Esther), Evelyn (Christina) und Anell (Lena) zeigen beeindruckend ihr Empathievermögen, was die Zuschauer ebenfalls in die Situation eintauchen lässt. Untermalt wird das Seelenleid der Rollen dieses Abends durch musikalische Begleitung von Florin, der beeindruckend die Trauer, Wut und Verzweiflung der Jugendlichen in dieser Situation durch seine Einsätze unterstreicht.

Das zweite Stück dieses Abends „Ich doch nicht“ zeigt ungeschönt das Thema Mobbing mit eine seiner schlimmsten Folgen: Benedikt spielt beeindruckend den Jungen Max, der- angekommen in einer neuen Klasse- den Anschluss nie wirklich findet und nach und nach durch die Mädchengang Nadine (Iman), Nelly (Alexandra) und Donna (Christina) gemobbt und letztendlich in den Tod getrieben wird. Lucas (Younes) spielt hier treffend ein typisches Klischee: Der Mitschüler von Max, der ihm neben der Erpressung durch die Mitschülerinnen regelmäßig Hausaufgaben abverlangt. Aus gutem Grund verzichtet der Kurs bei diesem Stück auf ein ausgefallenes Bühnenbild, denn die Tische und Stühle des Klassenzimmers unterstreichen den Ort des Geschehens ebenso wie die Verhörsituation, in der Mitschülerin Emily (im Wechsel gespielt von Anna und Lena) von einem Polizisten (Jannis und Aykut) vernommen wird. Der Wechsel zwischen Theaterbühne und abgespielten Filmsequenzen, die der Kurs in den vergangenen Wochen im Capitoltheater in Kerpen hatte drehen dürfen, sorgen neben der thematischen Variation für eine gelungene Abwechslung zwischen Theater und Film an diesem Abend.

Großer Applaus für alle Akteure und deren authentische Umsetzung!

K. Ebel