Intercambio GuGy- IES Magallanes San Isidro

“Warum dürfen manche an solchen Orten leben, und wir dagegen im kalten Deutschland?“ So die erste grundsätzliche Frage nach der Landung  am Flughafen Teneriffa-Süd mit Blick über den wilden Atlantik, die malerische Küste bis hoch zum über der Insel thronenden, schneebedeckten Vulkan Teide. Worin neben den klimatischen anderweitige Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Ländern und Kulturen bestehen,  sollten wir- 20 Schülerinnen und Schüler sowie drei Lehrkräfte des GuGy- in den kommenden sechs Tagen während unserer Austausch-Premiere mit dem Instituto de Educación Secundaria (IES) Magallanes erleben. Nach unserer Ankunft am Mittag des 19. März wurden wir im nur 5km vom Flughafen  entfernten San Isidro an der IES Magallanes von der Direktorin Carmen Luisa González Domínguez unter musikalischer Untermalung herzlich in Empfang genommen, auf der Bühne des Salón de Actos mit den obligatorischen zwei Wangenküsschen den Gastgeschwistern vorgestellt und erst einmal in der Schule herumgeführt. Der restliche Nachmittag war dann dem Kennenlernen und Akklimatisieren in den Familien vorbehalten. Wie es während unseres Aufenthalts zur Gewohnheit werden sollte, stiegen wir am nächsten Morgen in die Guagua (gesprochen: “Wawa“), den Reisebus, und fuhren Richtung Norden in die Inselhauptstadt Santa Cruz und La Laguna. Dort besuchten wir zuerst das kürzlich eröffnete „Palmetum“, einem auf einer ehemaligen Müllkippe errichteten botanischen Garten, wo wir auf Spanisch eine unterhaltsame Führung mit Anekdoten über teilweise kuriose Palmenarten aus aller Welt erhielten. Die Tücken des „tinerfeñischen“ Wetters mit seinem „Mikroklima“ lernten wir kurze Zeit später kennen, als strahlender Sonnenschein in kürzester Zeit in Wind, dunkle Wolken und Regen umschlugen und wir den historischen Kern der Universitätsstadt La Laguna nur vom Bus aus erkunden konnten. Zur Wiedergutmachung trafen wir uns am selben Abend noch in einer typischen spanischen Churrería und tunkten unsere Churros stilecht in dickflüssige Chocolate. Am Wochenende (Samstag) trafen wir uns mittags zu einer Exkursion in das knapp 20 km entfernte Adeje, wo wir nach einem Einkaufsbummel im Kino bei Nachos und Palomitas die spanische Komödie „Perdiendo el norte“ sahen. Diese handelt von zwei jungen Spaniern auf der Suche nach Arbeit bei ihrer Auswanderung in die deutsche Hauptstadt und den damit verbundenen interkulturellen und sprachlichen Fettnäpfchen. Darüber kamen wir mit unseren Gastgeschwistern wiederum über Themen wie kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die aktuell besonders für jugendliche prekäre Situation auf dem spanischen Arbeitsmarkt ins Gespräch. Nach dem „freien“ Sonntag machten wir uns am Montag auf den Weg in das Rathaus der Provinz Granadilla de Abona, zu dem unser Zielort San Isidro gehört. Hier empfing uns der Bürgermeister Francisco Jaime González Cejas im prunkvollen Sitzungssaal und schenkte uns zur Erinnerung eine Lektüre und Anstecker mit den Wappen von Granadilla de Abona. (Link zum Foto)  Danach zeigte uns Fremdenführer Pedro noch die geographisch und historisch interessantesten Plätze des Ortes, z.B. die ehemalige Tabaktrocknerei, das Geschichtsmuseum, den durch den Ort laufenden Camino Real der Katholischen Könige und eine Gofio- Mühle, wo wir gleich eine Kostprobe der heimischen Mehlspezialität in Form von Keksen probieren und Mitbringsel einkaufen konnten. Auch der Abend barg noch kulinarische Spezialitäten, als wir uns mit einigen an der Avenida de San Isidro zum Tapas essen trafen. Hier teilten wir uns auf die typisch spanische Art mehrere leckere raciones der bekannten papas arrugadas con mojo (Kartoffeln), calamares a la romana (Tintenfischringe), revuelto de jamón (Rührei mit Schinken) und schließlich eine riesige Paella de marisco. Am letzten Ausflugstag schlängelten wir uns mit unserer Guagua bei fantastischem Blick über die Insel und den Atlantik die Serpentinen des immer noch schneebedeckten Teide hinauf und umarmten zwischendurch noch kurz und rekordverdächtig zu siebt den Pino Gordo, die ihres Zeichens „dickste“ Pinie Teneriffas. Oben auf dem Vulkan angekommen mussten wir feststellen, dass der Lift, der die Besucher zur höchsten Aussichtsplattform des Teide transportiert, wegen starker Winde gesperrt war. Da uns der Sinn allerdings ohnehin eher nach Sonne als schneebedecktem Gipfel stand, unternahmen wir stattdessen eine 1 ½-stündige Kletterwanderung um beeindruckende Felsformationen am Fuße der Gondelstation. So endete die letzte gemeinsame Unternehmung auf Teneriffa, bevor wir uns am Mittwochmorgen, beladen mit unendlichen vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen, wieder auf die Rückreise nach Köln machten. Dort wurden wir von den Eltern erwartet, die genau wie wir froh waren, dass wir wohlbehalten zurückgekommen sind. Insgesamt hatten wir sechs unvergessliche, lustige und lehrreiche Tage auf Teneriffa, die besonders von den neuen persönlichen Kontakten, der Gastfreundlichkeit unserer Gastfamilien und der spanischen Schule geprägt wurden. Wir freuen uns bereits riesig auf den Gegenbesuch im Juni! i Hasta siempre, Tenerife!

S. Hansen