„Können Autos bald fliegen?“ – Forscher beantworten spannende Fragen beim Junior-Science-Café

„Können unsere Autos bald fliegen?“, „Wie viele Kilometer schafft ein Elektroauto?“ und „Wann wird der Fahrer im Auto nicht mehr benötigt?“ – diese und viele andere Fragen stellten Schülerinnen und Schüler sowie ihre Familien beim Junior-Science-Café am GuGy, das am Abend des 27. Juni 2016 in der Mensa des Gutenberg-Gymnasiums stattfand.

Unter dem Motto „DeLorean, K.I.T.T. und Herbie – Science Fiction oder Realität? Was werden unsere Autos im Jahr 2030 können?“ hatte die Junior-Science-Café-AG, bestehend aus 15 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 8 unter der Leitung von Frau Meinecke, eingeladen. Wichtig waren die Experten, die der Anfrage der AG gefolgt sind, ans GuGy kamen und allen Fragen Rede und Antwort standen. Aus dem Forschungszentrum Jülich kam Jochen Linssen, ein Fahrzeugtechniker, der sogar mit dem zentrumseigenen Elektroauto vorfuhr. Niko Maas, der gerade im Bereich der Hybridtechnologie promoviert, reiste von der Universität Duisburg-Essen an, wo er am Lehrstuhl für Mechatronik tätig ist. Moderiert wurde das Café von Andreina und Paula, zwei Schülerinnen der AG.

 

Jochen Linssen erläuterte in seinem Vortrag, dass unsere Energiesysteme im Umbruch seien, der Weg führe uns nun zur Elektromobilität. Dabei ginge es vor allem um Ressourcenschonung. Der Nachteil bestehe definitiv in der noch begrenzten Reichweite und in den hohen Kosten für die Batterie. Dass dieses Thema großes Interesse im Publikum fand, zeigten die vielen Fragen, die die Experten umfassend beantworteten:

Weltweit sind aktuell ca. 1,3 Millionen Elektroautos zugelassen, davon allerdings nur ca. 25.000 in Deutschland. Grundsätzlich wäre die Stromversorgung in Deutschland auch bei größerer Nutzung von Elektroautos gesichert, in manchen Regionen allerdings könnte das Netz überlastet werden. Unsere Nachbarländer sind da schon einen Schritt weiter und bieten eine bessere Versorgung der Elektroautos an. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, Elektroautos in der Nacht zu laden. In Bezug auf den Verbrauch der Elektroautos weisen die Experten darauf hin, dass der Fahrer und das Fahrverhalten selbst darüber entscheiden. Ungefähr 200 Kilometer schafft ein Mittelklasse-Elektroauto, wenn es neu ist. Der von Herrn Linssen mitgebrachte VW e-up! verbraucht auf 100 Kilometern etwa 14 Kilowattstunden, dadurch entstehen Kosten von ca. 4 Euro. Damit ist das Elektroauto definitiv günstiger als ein Wagen mit Verbrennungsmotor. Die Lebenszeit eines Elektroautos sollte mindestens 10 Jahre betragen und es sollte 150.000 Kilometer schaffen. Eine gewisse Unsicherheit besteht aber auch durch den Nutzer und dessen Ladeverhalten.

Eine Schülerin fragte nach der Nutzung von elektrischen Bussen. Für die meisten überraschend war die Antwort, dass es schon elektrische Busflotten in Deutschland gibt, allerdings beläuft sich die Zahl der Elektrobusse nur auf etwa 100, was noch sehr wenig ist.

Herr Linssen wies darauf hin, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für Elektroautos im Ausland bisher viel besser ist als in Deutschland. Dennoch wird gerade in Deutschland weiter in diesem Bereich geforscht, um die Anschaffungskosten für Elektroautos zu reduzieren und ihre Nutzung weiter zu verbreiten.

 

Bei dem Thema „kommunizierende Autos“ hatten die meisten wohl K.I.T.T. aus der Serie „Knight Rider“ vor Augen. Stattdessen wurde das Publikum darüber informiert, dass es längst kommunizierende Autos gibt, die Daten untereinander austauschen. Die Effizienz soll damit gesteigert werden. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Autos gehackt werden können. Die Vernetzung ist also längst da, die Frage bleibt, ob man das will.

 

Spannend war die Frage, wann wir mit automatisierten Fahrzeugen unterwegs sein werden. Auch wenn technisch schon viel möglich ist, stehen der Nutzung noch juristische Fragen im Weg. Wer haftet im Falle eines Unfalls? Der Fahrer oder der Hersteller? Darüber sind die Meinungen geteilt. Die Fehlerakzeptanz in Bezug auf Maschinen ist sehr gering, man geht eher davon aus, dass eine Maschine keinen Fehler machen darf, auch wenn sie weniger Fehler macht als der Mensch. Es bleibt festzustellen, dass die Nutzung von automatisierten Fahrzeugen bisher nicht legal ist.

 

Wer träumt nicht von fliegenden Autos? Man stelle sich vor, man könnte sich mit seinem Auto aus dem Stau erheben und über ihn hinwegfliegen! Technisch sind fliegende Autos bereits möglich, aber die Vorstellung, dem Verkehr mit einem fliegenden Fahrzeug aus dem Weg zu gehen, ist illusorisch. „Schließlich hätten wir dann das hohe Verkehrsaufkommen in der Luft.“, so die Experten. Aber natürlich wird auch in diesem Bereich geforscht. Es gibt bereits Autos mit ausfahrbaren Propellern. Ein Problem dabei ist, dass propellerbetriebene Fluggeräte, die über einer Höhe von 20 Metern fliegen, als Hubschrauber gelten und der Fahrer einen Hubschrauberführerschein benötigt. Nur die wenigsten haben wohl diesen Führerschein!

 

Ziel aller Neuerungen im Straßenverkehr ist die gesteigerte Effizienz. Diese ist mit der weiteren Erforschung und größeren Nutzung von Elektroautos definitiv möglich. Zu bedenken ist die Aussage von Herrn Maas, der kritisierte, dass Mobilität emotional sei. Rational betrachtet, braucht nicht jeder Mensch ein Auto, über Car-Sharing-Modelle könnte die Umwelt geschont und hohe Verkehrsaufkommen könnten vermieden werden. Tatsächlich aber ziehen es die meisten Menschen vor, ein eigenes Auto zu besitzen und nehmen es dann in Kauf im Stau zu stehen.

 

Abschließend wurde noch die Frage nach dem Autodesign der Zukunft erörtert. Ausschlaggebend dafür ist der Luftwiderstandsbeiwert, der bei modernen Autos im optimalen Bereich liegt. Die Experten gehen davon aus, dass möglicherweise die Innenräume der Fahrzeuge größer werden und die Technik immer weniger Platz einnehmen wird.

 

Nach anderthalb Stunden spannender Gespräche, Informationen und einem tollen, gespendeten Buffet konnten die Schülerinnen und Schüler der Junior-Science-AG erleichtert aufatmen. Alles hat wunderbar geklappt und die Gäste waren mehr als zufrieden.

Grund zum Strahlen hatten die Schülerinnen und Schüler außerdem bei der Überreichung der Zertifikate durch Rebecca Rabe von der Initiative „Wissenschaft im Dialog“, die die Arbeit der AG damit besonders würdigte. Gemeinsam mit der „Deutsche Telekom Stiftung“ unterstützt „Wissenschaft im Dialog“ das Engagement der Schulen im wissenschaftlichen Bereich. Dank der Arbeit der Junior-Science-Café-AG darf sich das GuGy nun „Junior-Science-Café-Schule 2016“ nennen. Herzlichen Glückwunsch!

Annette Gregor