Mahnmale menschenverachtenden Größenwahns – Die Festung Vogelsang und das El-De-Haus als außerschulische Lernorte

Anknüpfend an das aktuelle Unterrichtsthema „Erziehung im Nationalsozialismus“ machten sich die Schülerinnen und Schüler der Pädagogik-Grund- und Leistungskurse der Q1 und Q2 in Begleitung von Frau Drewe und Frau Heinrichs sowie der Grundkurs Religion Q1 von Frau Semmelmann-Werner am 6.11 auf zu einer ganztägigen Exkursion zu zwei außerschulischen Lernorten, an denen sich die Ideologie sowie die kriminelle Energie des NS-Regimes auch visuell erfahren ließen. Den Startpunkt der gemeinsamen Zeitreise in dieses unrühmliche Kapitel deutscher Vergangenheit bildete am Vormittag eine ausführliche Erkundung der Festung Vogelsang in der Eifel.

Im Rahmen eines 90-minütigen Vortrages wurden die Schülerinnen und Schüler zunächst in die Geschichte dieses gewaltigen, auf einem Hang oberhalb der Urfttalsperre gelegenen Komplexes eingewiesen. Hieran schloss sich eine zweistündige Geländeführung an, bei der die Schülerinnen und Schüler im aktiven Dialog mit den Referenten das vorab im Unterricht Gelernte vertiefen und erweitern konnten. Errichtet als sogenannte „Ordensburg“ der Nazis, beherbergte die Festung Vogelsang eine Eliteschule für 23-26 Jahre alte Männer, die nach ihrer Ausbildung Schlüsselpositionen im Rahmen der angestrebten „Osterweiterung“ besetzen sollten. Leitbild der Schulung war dabei der „Neue nationalsozialistische Herrenmensch“, der in Vogelsang versinnbildlicht in zwei monumentalen Steinfiguren auch geradezu kultisch verehrt wurde. Wesentliche Elemente der damals praktizierten Didaktik waren dabei eine umfassende rassenideologische Indoktrination sowie die Steigerung der Wehrtüchtigkeit durch exzessiven Sport.

Im Zuge dieser Formationserziehung sollte das Ich der als „Junker“ bezeichneten Anwärter gebrochen und ihre Bereitschaft zu bedingungsloser Gefolgschaft gesteigert werden. Heute vorliegende Dokumente belegen, dass sich einige der Vogelsanger Absolventen schwerer Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben. Am frühen Nachmittag kehrte die Gruppe dann diesem Ort der Täter den Rücken, um gemeinsam mit dem Bus weiter nach Köln zu fahren, wo ein Besuch des El-De-Hauses auf dem Plan stand. In diesem zentral am Appellhofplatz gelegenen ehemaligen Geschäftshaus befand sich ab 1935 das Hauptquartier der Kölner Gestapo. In drei Gruppen wurden die Schülerinnen und Schüler zuerst durch die oberen Ausstellungsräume geleitet.

Anhand zahlreicher Dokumente und Fotografien aus dem Alltag Kölner Bürger ließ sich das Prinzip der „Gleichschaltung“ hier noch einmal anschaulich nachvollziehen. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ aber sicherlich die abschließende Besichtigung der Kellerräume, die als Gefängnis- und Verhörzellen dienten. Hier hatten die Schülerinnen und Schüler nunmehr auch die Gelegenheit, sich in die Perspektive der Opfer einzufühlen, denn die darin an den Wänden erhaltenen Inschriften und Zeichnungen der Inhaftierten zeugen noch heute von deren Ohnmacht und Verzweiflung.

Sie beinhalten aber auch zornige Anklagen gegen die menschenunwürdigen Haftbedingungen und die Willkür der Regimevertreter. Häufig erwiesen sich diese Botschaften als die letzte Hinterlassenschaft der Gefangenen vor ihrer im Hinterhof vollzogenen Hinrichtung. Von der Informationsfülle dieses langen Tages sichtlich ermüdet traten die Schülerinnen und Schüler gegen 18.00 Uhr schließlich die Rückfahrt zum GuGy an. Nicht unerwähnt soll am Ende dieses Artikels zudem bleiben, dass sich der bereits vor sieben Jahren von Frau Drewe initiierte Besuch der beschriebenen Gedenkstätten unter Federführung der Fachschaft Pädagogik zu einem festen Termin im Schuljahreskalender entwickelt hat, der mittlerweile auch im Schulprogramm verankert ist. Die Seminarplätze für den November nächsten Jahres sind dementsprechend bereits reserviert!