„Philosophischer Essay“ – Franziska Hesse geht zur philosophischen Winterakademie

Jährlich findet der Landes- und Bundeswettbewerb „Philosophischer Essay“ statt. Alle Schülerinnen und Schüler der Philosophie-Kurse der Qualifikationsphase des Gutenberg-Gymnasiums verfassten einen Essay zu einem der vier ausgeschriebenen Themen, darunter „Darf Kunst alles?“ und „Ist die aus religiösen Traditionen begründete Beschneidung von Jungen, die aufgrund ihres Alters nicht einwilligen können, unmoralisch?“. Einige Essays wurden im Unterricht vorgetragen und intensiv diskutiert. Daraufhin entschieden sich fünf Schülerinnen und Schüler, am Wettbewerb teilzunehmen – und Franziska Hesse gewann! Ihr Essay zum Thema „Darf Kunst alles?“ gelangte – bei mehr als 800 eingereichten Essays – deutschlandweit unter die besten 25! Das wiederum führte zu einer Einladung zur philosophischen Winterakademie im Februar 2013 in Münster.

Hier Franziskas Erfahrungsbericht:

Was mit einer etwas aufwändigeren Hausaufgabe begann, endete in einer Erfahrung die ich persönlich wohl nie mehr vergessen werde. Die Winterakademie beinhaltet einen 4-tägigen Aufenthalt im Franz-Hitze Haus in Münster, Vorträge von Philosophen und Dozenten an der Universität, Diskussionen und Gruppenarbeiten, sowie, im Zentrum stehend, die zweite Runde des Wettbewerbs, deren zwei Gewinner zur Internationalen Philosophie-Olympiade nach Dänemark eingeladen werden würden. Ich gehöre zu den Philosophie-Interessierten des GuGy, sodass ich mich bereits vor dem Antritt der kleinen Reise wahnsinnig auf die bevorstehenden Erlebnisse und vor allem auch die unterschiedlichen Menschen, die ich kennen lernen würde, gefreut habe. Meine Erwartungen wurden jedoch noch übertroffen! Es war eine ganz andere Welt, in der ich mich in diesem Zeitraum bewegt habe. Ich kam in diesen Raum mit all den anderen Schülern, die gewonnen hatten, und überall waren bereits philosophische Diskussion entbrannt. Wurde ich im Alltag des öfteren für allzu philosophische und „weltfremde“ Gedanken schief von der Seite angesehen, so konnte ich hier an beinahe jeder Ecke Teil von Gedankenexperimenten und heißen Debatten z.B. über die Thematik „Was macht glücklich“ werden. Hinzu kam, dass die diesjährige Winterakademie Thema einer Fernseh-Dokumentation war, sodass immer wieder eine Kamera auf uns gerichtet war, ein Diktiergerät auf dem Tisch stand oder man interviewt wurde. Die Nervosität stieg merklich, als am Dienstag zu Klausurbedingungen ein zweiter Essay, entweder auf Englisch oder auf Französisch, verfasst werden sollte. Ad hoc einen Essay zu einem von vier Themen in einer anderen Sprache schreiben – keine einfache Aufgabe. Umso zufriedener war ich mit meinem sechsten Platz! Wobei – Platz eins bis fünf wurden jeweils für ein Stipendium der Deutschen Studienstiftung vorgeschlagen… Die letzten beiden Tage flogen nur so vorüber, wir besichtigten die schöne Universitätsstadt Münster, studierten Musikstücke für die Abschlussveranstaltung ein, diskutierten und amüsierten uns viel. Vor allem Abends, wenn man sich auf ein Bier in dem kleinen Aufenthaltsraum traf, wurde wieder deutlich, dass hier eine Gruppe Jugendlicher zusammengekommen war, die sich genauso, wie sie über philosophische Abhandlungen debattieren, auch über die besten Horrorfilme oder sinnlosesten Anmachsprüche unterhalten konnte. Am letzten Tag verbreitete sich dann schon eine leicht wehmütige Stimmung. Gerade hatte man angefangen die Menschen wirklich kennen zu lernen und da war es schon wieder vorbei. Man würde wieder in den Alltag zurückkehren. Nachdem Reden gehalten wurden und wir mit Saxophon, Gitarren, Klavier und Gesang unser Musikprogramm vorgetragen hatten, wurden allen Urkunden für ihre besonderen Leistungen überreicht. Und dann war es vorbei. Doch die Erinnerungen an diese kurze, aber so erfahrungsreiche Zeit werde ich nicht vergessen. Und zuletzt noch der Kulturschock, als ich von dieser kleinen Welt der Philosophie am Kölner Hauptbahnhof ankam und mir als allererstes – es war Weiberfastnacht – eine Menge betrunkener, bunt angemalter Karnevalisten in die Arme lief…