Impulse 4

Ich sehe was, was du nicht siehst!?

Mögt ihr das Spiel auch so gerne? Besonders auf längeren Autofahrten haben wir es stundenlang gespielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst“!?

Tja, und irgendwie passt es jetzt leider auch ziemlich genau in unsere Zeit, finde ich. Wir zum Beispiel sehen uns nicht. Denn den Auslöser von all dem, was uns zurzeit beschäftigt, uns voneinander fernhält, das Covid-Virus, das sehen wir nicht. Und doch ist es da – und alles, was geht oder vor allem was nicht geht, das hängt von ihm ab. Es setzt uns zurzeit quasi auf Stillstand und zwingt uns Alltag, Pläne, Träume, Ziele, … auf Eis zu legen.

Klar – das wissen wir ja eigentlich alle – es gibt Vieles in der Welt, das wir nicht sehen und es ist trotzdem da. Die Liebe ist so ein Beispiel. Da sehen wir sozusagen nur das Ergebnis: eine Umarmung, ein Lächeln, eine helfende Hand, ein offenes Ohr. Die Liebe selbst können wir nicht sehen. Trotzdem hält sie uns am Leben, macht unser Leben schön.

Beim Covid-Virus ist es ähnlich und gleichzeitig so ganz anders!! Das, was wir sehen und lesen ist beunruhigend, vielleicht ängstigend und irgendwie wie in einem Film, in dem wir doch gar nicht mitspielen wollen. Vielleicht geht es euch manchmal wie mir: Ich möchte am liebsten gar nicht mehr hinschauen auf die ganzen Schlagzeilen und Bilder, die durch die sozialen Netzwerke gehen und sie fluten – mittlerweile noch dazu mit den haarsträubendsten Theorien gespickt. Das brauche ich schon gar nicht!!

Aber wohin soll ich schauen?

Da bleibe fast nur ich „übrig“. Ja, die Zeit, in der wir stecken, die rückt uns selbst in den Mittelpunkt unseres eigenen Lebens. Und jetzt? Jetzt stehe ich da mit mir in der Hauptrolle. Vielleicht macht dir eine kleine Übung Spaß  – vor allem, wenn du sie häufiger machst: „Nimm dir ein wenig Zeit und Ruhe und schau zurück auf das, was du den Tag über erlebt hast. Aber schlüpfe nicht wieder in dich und dein Erleben erinnernd hinein, sondern schaue dir bei allem, was du getan hast, zu. Beobachte dich wie einen Fremden. Wenn du jemanden getroffen hast: Schau euch beiden zu. Wie war euer Zusammentreffen?“

Ja, vielleicht werden wir gerade in vielen Bereichen unseres alltäglichen, gewohnten Lebens ausgebremst. Aber Vieles können wir auch tun – nachdem wir uns selbst zugehört haben. Dinge, die wir selber auch wirklich wollen und die uns Antrieb und Freude machen, Dinge, die wir mit Liebe tun. Einfach, weil es sooo sehr „Unseres„ ist. Dafür öffnet uns diese Zeit zumindest Räume. 

Hör dir zu! Und dann fang an! Cape tempus – Nutze die(se) Zeit. Als eine Chance. Eine Chance, dich selber kennen zu lernen (denn DU BIST TOLL!!!), eine Chance, endlich mal wieder Zeit für deine Familie zu finden, eine Chance, gute Bücher zu lesen und gute Musik zu hören. Eine Chance, den immer aufgeschobenen Anruf zu machen, über die eigene Zukunft nachzudenken oder mal wieder ein leckeres Essen für alle zu kochen. … Was ist es bei dir?

Eine Bloggerin hat dazu im Netz geschrieben: „Wir sitzen alle im selben Boot. Lasst uns ein Partyboot daraus machen. The best is yet to come.“

Viele Grüße für heute!
Eure Simone Semmelmann-Werner
(Schulpfarrerin)