Entwicklungsfeld „Faire Schule“

Unsere Schulentwicklungsdiskussion der vergangenen Jahre hat Schwerpunkte ausgebildet, die fachlich (MINT) und erzieherisch (Arbeitstitel „Faire Schule“) ausgerichtet sind. Im erzieherischen Bereich finden wir uns in den Leitlinien, die den UNESCO-Schulen zugrunde liegen wieder. Hier sehen wir eine Möglichkeit, unser Profil zu schärfen. Wir bereiten uns darauf vor, UNESCO-Schule zu werden.

Der nun folgende konkretisierte Abgleich unserer erzieherischen Aktivitäten mit den Leitlinien des UNESCO-Programms liefert die Grundlage dafür.

Leitlinien
Wir nehmen uns an unserer Schule als Gemeinschaft von Menschen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Prägung sowie mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Potentialen und Entfaltungsmöglichkeiten wahr. Eine Erziehung zu wertschätzenden, respektvollen Menschen kann nur gelingen, wenn wir in engem Kontakt und Austausch miteinander stehen und das Leben an unserer Schule gemeinsam gestalten. Dies bezieht Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schülerinnen und Schüler und Eltern mit ein und stellt sie in die Verantwortung für die „gemeinsame Sache“, unsere Schule zu einem guten und sicheren Lern- und Lebensort für Alle zu machen. Ein fairer Umgang miteinander ist für uns die Grundlage, um angemessen und ungestört lernen zu können. Grundsätzlich gilt für uns: Wir alle dürfen sein, wie wir sind und werden so akzeptiert, wie wir sind.

Um dem Nachdruck zu verleihen, schließen wir – Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern – eine entsprechende Schulvereinbarung auf Gegenseitigkeit.

Unsere soziale, kulturelle und religiöse Herkunft und Überzeugung erleben wir dabei in ihrer Pluralität als Bereicherung, unser Verschieden-Sein als Gewinn. Wir sind uns bewusst, dass dies eine große Herausforderung ist und dass Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg Unterstützung und Begleitung brauchen. Diese wollen wir, Lehrerinnen und Lehrer, ihnen geben. Darüber hinaus sollen auch Schülerinnen und Schüler füreinander Lernpartner sein.

Soziales Lernen – faires Miteinander
Seit 2012 besteht deshalb an unserer Schule die AG „Streitschlichter/Klassenpaten“ – eine Arbeitsgemeinschaft, in der Schülerinnen und Schüler für einander Ansprechpartner im Schulalltag sind. Im Rahmen dieser AG werden jeder Klasse 5 zwei Klassenpaten zugeteilt, damit unsere „Schulneulinge“ im Fall einer Unsicherheit oder Streitsituation direkt Rückhalt und Hilfe durch die Patinnen und Paten erhalten. Zudem vertiefen die Klassenpaten mit „ihren“ Klassen in speziell dafür vorgesehenen Schulstunden Inhalte des Klassenprogramms „Anders streiten lernen“– ein Klassenprogramm zur Gewaltprävention in der Jahrgangsstufe 5/6 in Anbindung an die Streitschlichtung, das im Rahmen des Religions- /PP-Unterrichts Schritt für Schritt erarbeitet wird.

Beim ergänzend klassenweise angebotenen Tag der Klassengemeinschaft „Prima Klima“ erlernen und erleben die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 die Lösung von Konflikten und Streitsituationen durch gewaltfreie Kommunikation.

Individuelles-interkulturelles Lernen
Das Gutenberg-Gymnasium betrachtet seine bunt gemischte Schülerschaft als Basis für einen gemeinsamen Lernort, an dem man voneinander lernt und friedlich zusammenlebt.

In allererster Linie gilt es dabei, Respekt, Toleranz und Wertschätzung gegenüber dem Einzelnen und seiner Kultur als Grundhaltung zu entwickeln und zu leben. Dabei sind die Menschenrechts-AG und der von ihr gestaltete „Tag der Menschenrechte“ wichtige Impulsgeber, um diese Grundhaltung in der Schule erlebbar zu machen und weiterzuentwickeln. Ausdruck dieses Engagements ist es, dass wir 2014 den Titel „Schule ohne Rassismus“ verliehen bekommen haben.

Unsere Schülerinnen und Schüler sollen ihre eigene Kultur in Vergangenheit und Gegenwart erleben, reflektieren und sich darüber austauschen. Dazu laden wir immer wieder fächerübergreifend Referenten und Referentinnen zu besonderen Themenschwerpunkten in unsere Schule ein. Um die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit bemühen wir uns beispielsweise im Rahmen des Lernens an außerschulischen Lernorten durch Exkursionen in das EL-DE Haus in Köln oder zur NS-Ordensburg Vogelsang.

Ebenso ist es uns wichtig, Feste gemeinsam in der Schule zu feiern und zu gestalten. Sowohl Karneval als auch der Weihnachtsbasarsind gute Beispiele dafür, ein gemeinsames Fest zu gestalten und mit großem Spaß und sozialem Engagement zu feiern.

Seit 2015 findet am Ende des Schuljahres eine Projektwoche mit unterschiedlichen Themenangeboten statt. Darüber hinaus ergänzt das Kulturkonzept des Gutenberg-Gymnasiums die unterrichtlichen Aktivitäten und bildet einen Schwerpunkt unserer schulischen Arbeit. Dazu gehören Theater- und Musikaufführungen genauso wie Opern- und Museumsbesuche.

Nachhaltigkeits- und Gesundheitserziehung
Auf dem Lernweg zu einem verantwortungsbewussten Leben ist es uns wichtig, Schülerinnen und Schülern ihre Verantwortung gegenüber eigenen und fremden Ressourcen deutlich zu machen. Einerseits bedeutet dies für uns die Entwicklung eines persönlichen Gesundheitsbewusstseins, andererseits die Herausbildung eines ökologischen Verständnisses. In unserem Schulprogramm finden sich bereits einige Arbeitsfelder, die beiden Punkten gerecht werden. Andererseits haben wir für uns weitere Entwicklungsfelder im Blick, an den wir noch arbeiteten müssen und wollen. Eine geeignete Idee diesbezüglich kann in der Erarbeitung des Qualitätsmerkmals „Gesunde Schule“ noch ausgebaut werden.

Schulsanitätsdienst und Sporthelfer-Ausbildung ermöglichen unseren Schülerinnen und Schülern ein eigenverantwortliches Handeln im Sinne von „Schüler helfen Schülern“.

Zur Entwicklung eines ökologischen Verständnisses in Bezug auf unsere Schule und darüber hinaus trägt die jährliche Teilnahme an der Aktion „Saubere Stadt“ bei, da hier der eigene Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen in besonderer Weise erlebt und kritisch reflektiert wird.

In Anbindung an obligatorische Unterrichtinhalte und in Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz Landau wird Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II in mehrtätigen Exkursionen zum Meerfelder Maar und zum Winsborner-Kratersee ermöglicht, Gelerntes unter fachkundiger Anleitung praktisch anzuwenden.

Globales Lernen
Eine Welt, deren Menschen durch die Neuen Medien zunehmend enger zusammenrücken, erfordert von diesen in hohem Maß die Fähigkeit, sich in ihr immer wieder neu zu orientieren. Unser Anliegen ist es, dieses Verständnis von einer Welt, in der jeder Einzelne die Mitverantwortung für Mensch und Umwelt trägt, unseren Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Viele der bereits genannten Punkte helfen uns, dieses Anliegen umzusetzen. Auch unser Medienkonzept unterstützt den Gedanken des globalen Lernens. Durch die Ergänzung der Unterrichtstafel der Klassen 5 und 6 mit einer Wochenstunde ‚Medien und Methoden‘ (MUM) ist es möglich, die Schülerinnen und Schüler bereits zu Beginn ihrer Zeit am Gutenberg-Gymnasium zu einem verantwortungsvollen Umgang in diesem Bereich anzuleiten. Darüber hinaus bietet z.B. das Junior-Science-Café die Möglichkeit einer vertiefenden, öffentlichen Auseinandersetzung mit wissenschaftlich interessanten Themen außerhalb des Klassenraums.

Durch die Austauschprogramme mit unseren Partnerschulen in Frankreich, den USA und China soll das Interesse der Schülerinnen und Schüler an anderen Kulturen und Lebensweisen geweckt und vertieft werden. Dazu gehört auch, dass die Schülerinnen und Schüler mit dem Erwerb von zusätzlichen Sprachzertifikaten für Auslandsaufenthalte, z.B. nach der Schulzeit, gerüstet sind.

Beratung und Begleitung
Ein Team von ausgebildeten Beratungslehrerinnen und -lehrern bietet vielfältige Formen der Unterstützung für unsere Schülerinnen und Schüler an. Die im Beratungskonzept erläuterten unterschiedlichen Beratungsfelder an unserer Schule stellen sicher, dass Schülerinnen und Schülern und ihre Familien, wenn sie das möchten, umfassend Hilfe angeboten wird. Darüber hinaus stehen weitere Fachkräfte, wie unsere Schulseelsorgerin (Frau Semmelmann-Werner) oder die Schulsozialarbeiterin (Fr. Vogt) für individuelle Beratung und Begleitung zur Verfügung.

In der Erprobungsstufe bildet die Grundlage des sozialen Lernens das Lions-Quest-Programm „Erwachsen werden“, mit dem wir unsere „Neulinge“ angemessen begleiten. Im Mittelpunkt dieses Programms, für das alle Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer speziell ausgebildet wurden, steht die Förderung der sozialen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Sie werden dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu stärken, Kontakte und positive Beziehungen aufzubauen und zu erhalten, Konflikt- und Risikosituationen in ihrem Alltag angemessen zu begegnen und konstruktive Lösungen für Probleme zu finden.

Der Bereich der Berufsberatung für alle Schülerinnen und Schüler, der Potential Check in Klasse 9 und das Betriebspraktikum in der Einführungsphase leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass es den Jugendlichen gelingt, Perspektiven zu entfalten und so ihren persönlichen Lebensentwurf zu entwickeln und anzugehen.

Unsere erzieherischen Leitgedanken, die Leitlinien für eine „Faire Schule“ und der Inhalt der Schulvereinbarung konkretisieren sich in unserer Schulordnung.