Unsere Zukunft, unsere Hoffnung? – Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 inszenieren „Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells

Es handelt sich um eine logische Konsequenz: Wenn wir uns im dreidimensionalen Raum bewegen können, dann muss dies auch in der 4. Dimension möglich sein. Ergo: Wir können in der Zeit reisen. Diese Überlegung stellt Henry Bold (gespielt von Fee B.) an und baut im Jahr 1884 eine Zeitmaschine. Seine Freunde Mr. Filby (Beyza A.), Dr. Sharp (Annika W.) und Mr. Hollow (Evin B.) belächeln ihn. Doch dann verschwindet er und seine Haushälterin Mrs. Briggs (Lili K.) und Mr. Filby, die durchaus bemerken, dass auch die Zeitmaschine fehlt, versuchen, sein Verschwinden zu verheimlichen. Kann es sein, dass Henry Bold mit seiner Theorie Recht hatte?

Der Differenzierungskurs „Darstellendes Spiel“ der Jahrgangsstufe 9 unter der Leitung von Frau Drewe und mit Unterstützung von Frau Mock inszenierte eine anspruchsvolle Bearbeitung des Science-Fiction-Klassikers aus dem Jahr 1895.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nahmen am Abend des 23. Januar 2020 die zahlreichen Zuschauer im Theaterkeller des Gutenberg-Gymnasiums auf eine wilde Reise durch die Zeit. Zunächst reist Mr. Bold zum 15. September 1940 und wird in London vom Fliegeralarm überrascht. Er begegnet der nun nicht mehr kleinen Amy (Johanna N.), die ihm berichtet, dass ihre Mutter, Mrs. Briggs, bereits seit 23 Jahren tot sei – ein Wissen, das ihn sehr schmerzt. Bevor ihn der Zweite Weltkrieg verschlingen kann, besteigt Mr. Bold erneut seine Zeitmaschine und reist ins Jahr 2040. Hier versuchen Jugendliche ihn auszurauben und zum ersten Mal erfährt Mr. Bold, dass seine Sprache nicht mehr aktuell ist, sie hat sich verändert. Schließlich begegnet er einem alten Mann (Annabelle M.), der ihm erzählt, was in den letzten 100 Jahren geschehen ist. Offensichtlich ging es der Welt bis 2020 gut, doch dann setzte ein Wirtschafts-Crash ein und auch das Wetter veränderte sich. Es regnete sieben Monate lang und große Teile Englands versanken. Hinzu kamen Luftverschmutzung und übermäßiger Müll, so dass sich die Gesellschaft in diejenigen teilte, die sich an der Situation bereicherten, und diejenigen, die unter fortschreitender Armut litten. Auf der anderen Hälfte der Welt setzte eine fürchterliche Hitze ein, eine riesengroße Wüste entstand. Um Flüchtlinge aus dieser anderen Welthälfte abzuwehren, baute man um die nicht versunkenen Reste Englands eine Mauer. Diejenigen, die in England nicht gewollt waren, bauten unterirdisch eine neue, archaische Gesellschaft auf, in die Mr. Bold nun geraten war.

Entsetzt reist Mr. Bold mit seiner Zeitmaschine weiter, vergisst jedoch zu bremsen und gerät ins Jahr 802.086. Er scheint endlich in einem goldenen Zeitalter angekommen zu sein. In dieser Zeit scheint es keine Gewalt, keinen Handel, keine Geschäfte, aber dennoch Wohlstand zu geben. Mr. Bold trifft auf fröhliche junge Menschen, die seine Sprache allerdings gar nicht mehr verstehen. Vielmehr findet der Zeitreisende heraus, dass die Sprache der Eloi eine sehr vereinfachte ist, die keinerlei grammatische Strukturen aufweist. Wie auch schon im Jahr 2040 gibt es rund 800.000 Jahre später eine Parallelgesellschaft: die Morlocks. Ihre Unterwelt erreicht man durch Brunnenschächte, vor denen die Eloi große Angst haben. Mr. Bold stellt fest, dass er keine Alten und Kranken trifft. Haben die Morlocks eventuell etwas damit zu tun? Bevor Mr. Bold in das Jahr 1884 zurückreist, werden die Eloi, die er mittlerweile ins Herz geschlossen hat, von den Morlocks überfallen.

Panisch landet der Wissenschaftler wieder in seinem eigenen Keller und trifft auf Mrs. Briggs und Mr. Filby. Er berichtet ihnen von der Zukunft, die von Krieg und Verfall geprägt ist, erzählt Unglaubliches, wie von der Erfindung der Flugzeuge, und schließlich, dass er zurück in die Zukunft reisen muss. Mr. Bold stellt fest, wie dumm und eitel die Menschheit ist und will sie und die Welt retten.

Den 12 jungen Schauspielerinnen und Schauspielern der Jahrgangsstufe 9 gelang mit der Inszenierung der „Zeitmaschine“ eine intelligente Kritik an unserer heutigen Welt aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts und sie zeigten den Zuschauern auf, wohin sich die Menschheit entwickeln könnte. Trotz des ernsten Themas unterhielt das Stück die Anwesenden ausgezeichnet. So sorgte Fee B. regelmäßig für Lacher, als sie in jedem Zeitalter erklären musste, dass die Räder ihrer Zeitmaschine nicht gestohlen worden seien. Eine Zeitmaschine braucht nämlich keine Räder. Sie bewegt sich ja in der 4. Dimension.

Wir gratulieren den jungen Darstellern der „Zeitmaschine“ und Frau Drewe und Frau Mock, die zum wiederholten Male mit viel Energie und Herzblut einen literarischen Text gekonnt auf die Bühne gebracht haben. Herzlichen Dank!

Text: A. Gregor
Fotos: E. Meinecke